Kirchenkreis Halle/Saalkreis, Superintendent Hans-Juergen Kant
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13.02.2025
Dass die im Stellenplan 2035 vorgesehenen Veränderungen im künftigen Bereich Nord für viel Gesprächsbedarf sorgen würden, war erwartbar. Der gut gefüllte Könneraner Gemeindesaal zeigte am gestrigen Abend dies noch einmal eindrücklich. 35 Personen waren gekommen, um sich von Mitgliedern des Struktur- und Stellenplan-Ausschusses über die geplanten Strukturen und Stellenzuschnitte informieren zu lassen.
Ablauf und inhaltliche Struktur des Abends entsprachen der gleichen Veranstaltung in Oppin. Mit seinem Brückenschlag von großen und kleinen Anlässen zur Resignation hin zur uns alle tragenden Hoffnung eröffnete Superintendent Hans-Jürgen Kant das Treffen. In mehreren Themenblöcken stellte im Anschluss Werner Meyknecht zentrale Aspekte des Stellenplanprozessses vor, die abwechselnd in Diskussionsrunden vertieft wurden.
Kirchenmusik im Fokus der Debatte
Während anfangs die grundsätzlichen Ausgangslagen – Mitgliederrückgang, sinkende Finanzmittel und Personalmangel – noch wenig Gesprächsbedarf erkennen ließen, änderte sich dies mit der Vorstellung der tragenden Prinzipien der Stellenplanung. Besonders die Konzentration der Kirchenmusik auf städtische Gebiete führte zu einer sachlichen, aber nicht minder emotional geführten Diskussion.
Der aktuelle Entwurf der Stellenplanung 2035 sieht vor, dass die Stelle des Kirchenmusikers im Pfarrbereich Könnern mit dem Erreichen des Ruhestandes des derzeitigen Kantors, also zum 01. Juli 2029, aufgehoben wird. Dies ist in seiner Konsequenz die Weiterführung des Grundsatzes des zurückliegenden Stellenplans 2025, der hauptamtlich verantwortete Kirchenmusik auf die Stadt konzentriert.
Mit der pointierten Aussage „Musik hat bei uns [Anmerkung der Redaktion: Pfarrbereich Können] eine tragende Rolle und ist wichtig“ legte die Diskussionsrunde einen "fliegenden Start" hin. Ohne die Chorarbeit, so die Befürchtung in anschließenden Wortmeldungen, bräche auch noch der Rest des kirchlichen Lebens vor Ort weg. Der Verweis auf das Förderprogramm „Kirchenmusik auf dem Land“ wurde als wenig tragfähig angesehen. Die Region sei nicht mit dem „Speckgürtel von Halle“ vergleichbar, wo man mit finanziellen Anreizen potentielle nebenamtliche Chorleiterinnen und Chorleiter anlocken könne. Im Gegensatz zur Stadt sei zudem das Potenzial an qualifizierten Personen begrenzt. Daher sei es sinnstiftender, so eine Einbringerin, die hauptamtlichen Kirchenmusikstellen nicht in Halle zu konzentrieren, sondern (auch) auf den ländlichen Raum zu verteilen.
Zusätzlich stünde der nördliche Bereich des Kirchenkreises noch vor einem, die Situation verstärkenden strukturellen Dillema. Kirchlicherseits zwar an Halle angebunden orientiert sich der Sozialraum – insbesondere der Pfarrbereich Könnern - eher am nahegelegene Bernburg. Entgegen zur Händelstadt gibt es aber in der anhaltinischen Residenzstadt keine Ausbildung für ehrenamtliche Chorleitung, was die Findung weiter erschwert. Ein eindrückliches Bild brachte die Diskussion auf den Punkt: „Wir haben weniger Wasser, aber die Leute haben Durst.“
Dass sich mit Beharrlichkeit und Willensstärke trotzdem Lösungen finden lassen zeigte das Beispiel Wettin, vorgestellt vom ehemaligen Präses Thomas Herrmann. Trotz hoher Fluktuation konnte über die zurückliegenden Jahre der örtliche Chor auch ohne hauptamtliches Engagement aufrecht erhalten werden – einfach sei dies aber nicht gewesen.
Meyknecht betonte in der Diskussion wiederholend, dass Anträge, die lediglich darauf abzielen Stellenkürzungen zurückzunehmen, ohne gleichzeitig Alternativvorschläge zu unterbreiten, aller Voraussicht nach wenig Chancen auf Zustimmung im federführenden Ausschuss haben. Dabei nahm er Bezug auf das bereits 2024 eingesandte Schreiben des Pfarrbereiches Könnern zur Kirchenmusik. Dieses wurde zwar im Gremium wahrgenommen, war aber nicht mehrheitsfähig.
Im fortdauernden Ringen um Lösungen wurde kurzzeitig ein Idee bewegt, die an den - von der Synode verworfenen - Alternativvorschlag des Ausschusses für kirchliches Leben erinnerte. Der diskutierte Ursprungsimpuls, die geplante Stelle im Bereich Könnern auf Kirchenmusik und Pfarramt aufzuteilen, wurde zwar - auch unter dem Gesichtspunkt der Attraktivität für mögliche Bewerberinnen und Bewerber - als wenig sinnvoll erachtet. Diese Idee weiterverfolgend wurde aber auf regionaler Ebene eine Lösung in den Blick genommen, die ein Zusammenwirken der unterschiedliche Berufszweige - also Pfarramt und Kirchenmusik - bei gleichem Gesamtstellenumfang in den Blick nahm.
Grundsatzfragen und Zukunftsperspektiven
Im weiteren Verlauf des Abends verlagerte sich die Diskussion vom spezifischen Anliegen um die Kirchenmusik auf grundlegende Zukunftsfragen der Kirche. Die Teilnehmer äußerten ihre Sorge über den fortschreitenden Abwärtstrend und betonten die Notwendigkeit, diesem aktiv entgegenzuwirken. Die emotionale Beteiligung zeigte sich auch in persönlichen Äußerungen: „Es macht mich wütend und traurig, dass ich keine Aktionen gegen den Abwärtstrend sehe.“ Eine Teilnehmerin fasste ihre Befürchtungen noch drastischer zusammen als sie sagte: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir [Anm. d. Redaktion: Kirche] uns abschaffen.“ Der referierende Werner Meyknecht hielt dem allerdings entgegen: „Nein, wir verändern uns nur – das aber in einem Tempo, das uns erschreckt.“ Basierend auf unterschiedlichen Erhebungen sowie eigenen Erfahrungen machte der Landsberger Pfarrer nochmals sehr deutlich, dass allein aufgrund des demografischen Wandels der Mitgliederschwund weiter anhalten wird. Kirchenspezifische Gründe – wie zum Beispiel aktive Austritte – verstärken bzw. beschleunigen diesen Prozess „nur“. Daher brauche es Kooperationen und neue Formen von Kirche, unabhängig von Mitgliedschaften.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Mit Blick auf die strukturellen Veränderungen (hierzu im Detail) betonte Meyknecht abschließend die Notwendigkeit, in veränderten Arbeitsmodi zu denken. "Zusammenarbeit dort, wo sie sinnvoll ist", d.h. im Sinne regio-lokaler Gemeindeentwicklung gilt es künftig noch stärker lokale Besonderheiten und regionale Möglichkeiten zusammenzuzudenken.
Das Bild vom Beginn der Diskussion aufgreifend resümierte Pfarrer Eckart Warner, Mitglied im Struktur- und Stellenplan-Ausschuss, „Wonach haben wir Durst? Nach dem Evangelium! Es liegt an uns allen, diesen Durst oder Appetit auch bei anderen zu wecken – unabhängig von Strukturen.“
Unabhängig davon sind die Mitglieder des Ausschusses aber auch bereit, auf Einladung in die Gemeindekirchenräte zu kommen.
Durch die Anhörungen und die Aufnahme von Veränderungswünschen können sich die Beschlussvorlagen bis zur Kreissynode am 10. Mai 2025 noch verändern.
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